Fehlsichtigkeit (Ametropie) des Auges

 

Zum Einstieg möchten wir darauf hinweisen, dass wir bemüht sind alle Erklärungen so weit zu vereinfachen, dass es für Nicht-Optiker verständlich ist.  Wir konzentrieren uns auf die wesentlichen Punkte, die für unsere Kunden hoffentlich nachvollziehbar und interessant sind.

In der augenoptischen Praxis unterscheidet man die Begriffe Ametropie und Emmetropie. Emmetropie ist der Ausdruck für Normalsichtigkeit. Ein normalsichtiges Auge ist in der Lage, ein weit entferntes Objekt, ohne Anstrengung der Augenmuskulatur (Akkommodation), auf der Netzhaut scharf abzubilden und somit deutlich zu sehen.

Technisch lässt sich dieser Vorgang so beschreiben: Ein unendlich weit entferntes Objekt sendet parallele Lichtstrahlen zu unserem Auge. Im Idealfall ist das optische System in unserem Auge so gebaut, dass diese parallelen Strahlen zu einem Brennpunkt gebündelt werden, welcher sich auf unserer Netzhaut befindet. Und voilà, wir sehen ein scharfes Bild!

Ist unser Auge nicht dazu in der Lage, so liegt eine Ametropie vor, welche umgangssprachlich häufig als Fehlsichtigkeit bekannt ist. Aber keine Sorge! Eine Ametropie ist nichts Beunruhigendes, und kommt wesentlich häufiger vor als das normalsichtige Auge. In der Regel lässt sich eine Ametropie durch eine Brille oder Kontaktlinsen bestens korrigieren.

Es gibt verschiedene Arten der Ametropie, die wir Ihnen hier weiter vorstellen werden:

 

Weitsichtigkeit

Die Weitsichtigkeit wird auch als Übersichtigkeit oder Hyperopie bezeichnet. Hier entsteht, bei entspannter Augenmuskulatur, kein scharfes Bild auf der Netzhaut, weil der Brennpunkt hinter der Netzhaut liegt.

Wie jede Ametropie, kann die Weitsichtigkeit in unterschiedlich starken Ausprägungen vorkommen. Hat man eine relativ geringe Weitsichtigkeit, so ist das Auge durch Anstrengung in der Lage ein deutliches Bild zu erzeugen. Betroffene merken dann oftmals nicht, dass sie eine Brille benötigen, da sie alles hervorragend sehen. Durch die permanente Überanstrengung des Auges können allerdings unangenehme Begleiterscheinungen, wie Kopfschmerzen, Augenbrennen, oder müde Augen auftreten.

Brillengläser, die eine Weitsichtigkeit korrigieren, werden Plusgläser genannt, und finden sich auf dem Brillenpass oder Rezept z.B. als folgende Schreibweise wieder:

Sph + 2.0 dpt

Die Abkürzung sph steht dabei für Sphäre, dpt für Dioptrien. Dioptrien ist die Maßeinheit für optische Gläser.

 

Kurzsichtigkeit

Bei einer Kurzsichtigkeit oder Myopie wird das Bild eines weit entfernten Objektes vor der Netzhaut abgebildet. Je nach Stärke haben Kurzsichtige in der Nähe eine bestimmte Entfernung, in der sie ohne Brille alles scharf sehen können.

Je stärker die Kurzsichtigkeit ausgeprägt ist, desto kürzer ist die Entfernung wo etwas deutlich gesehen werden kann.

Zur Korrektur einer Myopie, benötigt man Brillengläser mit Minuswirkung. Auf dem Brillenpass oder Rezept erkennt man dies an folgender Schreibweise:

Sph -2.5 dpt

Die Abkürzung sph steht dabei für Sphäre, dpt für Dioptrien. Dioptrien ist die Maßeinheit für optische Gläser.

 

 

Hornhautverkrümmung

Die Hornhautverkrümmung ist auch bekannt als Stabsichtigkeit, oder weniger bekannt als Astigmatismus. Hier bei entsteht nicht länger ein Brennpunkt, sondern eine Brennlinie. Je nach Art der Hornhautverkrümmung liegt diese Brennlinie vor oder hinter der Netzhaut. Aber was soll man sich nun darunter vorstellen? Wir wollen hier gar nicht zu technisch werden und versuchen es mal relativ einfach zu erklären: die Hornhautverkrümmung bewirkt eine verzerrte Sicht. Diese Verzerrung kann, je nach Auge, in unterschiedliche Richtungen und unterschiedlich stark geschehen. Objekte oder Schriften können senkrecht, waagerecht oder diagonal verzerrt werden. Die Lage oder Achse der Hornhautverkrümmung liegt stets zwischen 0 und 180 Grad, die Stärke der Hornhautverkrümmung wird als Zylinder (cyl/zyl) angegeben. Als Schreibweise auf dem Brillenpass oder Rezept sieht es dann z.B. wie folgt aus:

Sph 0.0 cyl – 1.0 Achse 90
Sph 0.0 zyl – 1.0 Achse 90

Lassen Sie sich bitte nicht verwirren: es gibt auch die Möglichkeit den Zylinder als Pluswert anzugeben, dadurch ändern sich dann auch der Wert der Sphäre (sph) und die Achslage des Zylinders (cyl / zyl). Wie und warum, darauf werde ich hier nicht weiter eingehen, das würde einfach den Rahmen sprengen.
Meist wird die Hornhautverkrümmung einer Weit- oder Kurzsichtigkeit begleitet, z.B.:

Sph +1.5 cyl -0.5 Achse 70
Sph -0.5 cyl -0,75 Achse 160

Ist eine Hornhautverkrümmung relativ gering, wirkt sie oft wie ein Weichzeichner, der Kontraste vermindert oder klare Kanten verwischt. Liegt eine höhere Hornhautverkrümmung vor, so ist es durchaus möglich, dass Schriften oder Objekte so stark verzerrt werden, dass der Eindruck entsteht, diese erscheinen doppelt über- oder nebeneinander.

Altersweitsichtigkeit

Zugegeben Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) ist kein sehr schmeichelhafter Begriff, hat sich aber leider in der Optik etabliert. Damit wir nahe Objekte scharf betrachten können, muss unser Auge durch Anstrengung eines Muskels, die Leistung unserer Linse verstärken. Dieser Vorgang wird Akkommodation genannt. Im Laufe unseres Lebens, lässt allerdings die Leistungsfähigkeit dieses Muskels, sowie die Flexibilität der Augenlinse nach. Dies bedeutet in der Praxis: ab einem bestimmten Alter (in der Regel ab Mitte 40), werden die Arme zu kurz, bzw. der Kurzsichtige nimmt seine Brille zum Lesen lieber ab. Zur Korrektur der Presbyopie gibt es je nach Bedarf verschiedene Möglichkeiten. Klar machen muss man sich zunächst, dass es ab jetzt nicht mehr die eine Stärke gibt, die für alle Entfernungen perfekt funktioniert. Braucht man für die Ferne keine Brille, so kann die Presbyopie mit einer Einstärken-Lesebrille, oder auch mit einer erweiterten Lesebrille (funktioniert für sehr kurze und mittlere Entfernungen), korrigiert werden. Benötigt man allerdings bereits eine Stärke für die Ferne, so bleiben einem zwei Möglichkeiten. Entweder man legt sich zwei getrennte Brillen mit unterschiedlicher Stärke für Ferne und Nähe zu und wechselt bei Bedarf, oder man kombiniert beide Stärken in einer Brille. In der Regel sind solch kombinierte Brillen heutzutage Gleitsichtbrillen. Eine Gleitsichtbrille bietet den Vorteil, dass man jederzeit die richtige Stärke für verschiedene Sehentfernungen vor dem Auge hat, ohne extra wechseln zu müssen.

Welche Ametropie vorliegt stellen Augenoptiker oder Augenärzte mithilfe einer Refraktion fest. Der Begriff Refraktion ist lediglich der Fachausdruck für einen Sehtest, eine Augenglasbestimmung oder Augenprüfung. Diese Überprüfung ist absolut schmerzfrei und dauert, in der Regel, 10 – 15 Minuten. Der Sehtest liefert uns eine exakte Aussage darüber in welcher Höhe eine Weit- oder Kurzsichtigkeit vorliegt, und ob eventuell zusätzlich eine Hornhautverkrümmung vorhanden ist.